[FULL][Deutsch][Gedichte] Academische Gedichte von JPL Withof -kit

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Kitty
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Post by Kitty » September 18th, 2019, 12:01 am

lorda wrote:
September 17th, 2019, 11:55 am
wieder einmal vorzüglich ausgebessert. Abschnitt 5 ist PL OK. :thumbs:
vielen Dank, Bernd :) dann bin ich ja hier wieder in Ordnung.

Sonia

lorda
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Post by lorda » September 22nd, 2019, 7:25 pm

Hallo Sonia,

ich habe Abschnitt 8 - Der Charfreitag - verbessert und hochgeladen.

https://librivox.org/uploads/kitty/academischegedichte_08_withof_128kb.mp3
Neue Länge: 6:33

Verbessert wurden:
2:56 – 2:59,5 - Er ging bedrengt der großen Noth entgegen
3:03 – 3:06,5 - Und alles schlug auf ihn mit Cains Schlägen,
5:12,5 – 5:15,5 - Ihn so zu sehen taugen! Das stärkste thränte doch.

Liebe Grüße aus der Pfalz. :)
Bernd

Don't dream it - be it. (Dr. Frank N. Furter)

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lorda
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Post by lorda » September 22nd, 2019, 8:29 pm

Und da ich mal wieder nicht schlafen konnte, kommt auch noch die Verbesserung von Abschnitt 4 - Die Freundschaft. :mrgreen:

https://librivox.org/uploads/kitty/academischegedichte_04_withof_128kb.mp3
Neue Länge: 8:56

Verbesserungen:
1:40,5 – 1:42,5 - in Ufern eingeschlossen
2:31 – 2:35 - Und predigt, zinst man ihm, von eigner Ehrlichkeit:
2:38,5 – 2:42 - Er scheuchte dich davon und wagte seinen Rücken.
2:57 – 3:05 - Denn gleiche Lebensart, ein Muth, wie Stahl und Erz Und, wenns am Trinken geht, ein gleichgesinntes Herz
3:12,5 – 3:16,5 - Noch Catilinens Schaar empfindt, wie Freundschaft thut;
5:08,5 – 5:11 - Doch, Werthe, wenn sie dir,
5:44,5 – 5:48,5 - Als Kinder hieß der Krieg sie fern vom Tagus eilen,
6:03 - Encisso,
6:29,5 – 6:32 - den er sucht, und hat ihn nur gefunden;
6:49 – 6:52,5 - Geliebte, frage nicht, was dieses Paar empfand.
7:27 – 7:29 - den Maro nur erdachte

Liebe Grüße aus der Pfalz. :)
Bernd

Don't dream it - be it. (Dr. Frank N. Furter)

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Kitty
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Post by Kitty » September 22nd, 2019, 11:07 pm

lorda wrote:
September 22nd, 2019, 8:29 pm
Und da ich mal wieder nicht schlafen konnte, kommt auch noch die Verbesserung von Abschnitt 4 - Die Freundschaft. :mrgreen:
:shock: warum hast du so viele Fehler gefunden und ich bloss 2-3 ? Wie konnte ich mich so irren ? Hatte ich einen anderen Text ? :hmm: Ich werd's nachher checken ! Danke

Sonia

lorda
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Post by lorda » September 22nd, 2019, 11:42 pm

Hallo Sonia,

ich habe auch kleine Fehler wie bei 1:40 markiert (war: Ufer - soll: Ufern). Da ich ja eh Verbesserungen machen wollte, habe ich halt alles was auch nur die kleinste Abweichung hatte herausgeschrieben und verbessert. Da ging mal wieder meine Vergangenheit mit mir durch. :oops: Ich arbeitete lange Jahre in der Qualitätssicherung.

Und da ich ja zuerst die Texte miteinander verglichen habe, konnte ich ja viel genauer prüfen, als wenn ich 'nur' zugehört hätte - zumal bei Fraktur muss ich sowieso genauer hinschauen (Luft und Lust - als kleines Beispiel). :wink:

Also kräm Dich nicht - ich war mal wieder mir gegenüber viel zu pingelig. :?

Liebe Grüße aus der Pfalz und einen geuten Start in die Woche. :)
Bernd

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Kitty
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Post by Kitty » September 23rd, 2019, 1:21 am

lorda wrote:
September 22nd, 2019, 11:42 pm
ich habe auch kleine Fehler wie bei 1:40 markiert (war: Ufer - soll: Ufern).
ach so, ja die Kleinigkeiten hatte ich auch manchmal entdeckt aber nicht aufgezählt, da sie den Sinn nicht ändern. Sorry, ich werde nächstes Mal dann alles aufschreiben. Ich wusste nicht dass du es wirklich word-perfect haben wolltest. :oops:
(Luft und Lust - als kleines Beispiel). :wink:
:lol: ja genau bei den zwei Worten hatte ich manchmal schon witzige Fehler :mrgreen:

Beide Gedichte toll verbessert. Bei dir hört man aber auch nie einen Unterschied im Ton :thumbs: Sehr gut, beide jetzt endlich PL ok. Jetzt haben wir die Hälfte durch 8-)

Sonia

Kitty
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Post by Kitty » September 28th, 2019, 3:53 am

ich nehme an, Carolin hat im Moment wenig Zeit ein Gedicht aufzunehmen, daher werde ich den Abschied von der Dichtkunst übernehmen. :) Hoffentlich findet sich noch ein Liebhaber für das letzte Gedicht, dann wären wir fully claimed :9:

Sonia

Kitty
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Post by Kitty » September 28th, 2019, 12:43 pm

und da hätten wir wieder ein Gedicht fertig :) das war noch gar nicht mal so schlecht diesmal obwohl ich den Eindruck hatte, dass der gute Withof sich hier selbst etwas zu sehr rühmt :lol:

https://librivox.org/uploads/kitty/academischegedichte_01_withof_128kb.mp3
Recording time: 6:19 min.

Falls das mal jemand checken will, bitte melden. Eilt selbstverständlich nicht. Danke Bernd für die Vorkorrektur des Textes. :thumbs:

Sonia

lorda
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Post by lorda » September 28th, 2019, 1:04 pm

Hollo Sonia,

ich hörs mir später an.
Bernd

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Post by lorda » September 28th, 2019, 2:59 pm

Hallo Sonia,

bei Abschnitt 1 hast Du leider eine Zeile vergessen oder weg editiert.

1:12,5 – ist: Ein Zephyr auf der Urne spielt? wonnereiche Büsche, - soll: Ein Zephyr auf der Urne spielt? Das Beil erreicht euch, wonnereiche Büsche,

Kannst Du das bitte ausbessern.

Liebe Grüße aus der Pfalz. :)
Bernd

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Post by Kitty » September 29th, 2019, 1:28 am

lorda wrote:
September 28th, 2019, 2:59 pm
1:12,5 – ist: Ein Zephyr auf der Urne spielt? wonnereiche Büsche, - soll: Ein Zephyr auf der Urne spielt? Das Beil erreicht euch, wonnereiche Büsche,
:hmm: ich kann mich auch gar nicht an diesen Satzteil erinnern, also habe ich ihn wohl überlesen. Komisch :lol: Jetzt ist er aber drin, hab nur die 4 Wörter neu aufgenommen, alles andere wurde nicht verändert.

Vielen Dank für die akkurate Korrektur.

https://librivox.org/uploads/kitty/academischegedichte_01_withof_128kb.mp3
Recording time: 6:21 min.

Sonia

lorda
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Post by lorda » September 29th, 2019, 2:58 pm

Abschnitt 1 ist PL OK. :thumbs:

Liebe Grüße aus der Pfalz. :)
Bernd

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Post by Kitty » September 30th, 2019, 12:05 am

vielen Dank Bernd !

Sonia

schrm
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Post by schrm » October 14th, 2019, 12:28 pm

hallö,

auch hier möchte ich mit nachdruck meinen rückstand aufholen.
erstmal also eine entschuldigung.
bernd, hast du bzgl meinen beiden abschnitten textverbesserungen, die ich berücksichtigen sollte?
danke und lg

/reader/12275


bc gruppe: sammlung prosa, trotzkopf
duo: rousseau
en: bc manners and rules

sing "The First Nowell" viewtopic.php?f=22&t=75979

lorda
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Post by lorda » October 14th, 2019, 1:20 pm

Hallo schrm,

auch bei Deinen Gedichten gab es Abweichungen.


Der medicinische Patriot

Utrecht 1745, im Junius

Bellobter Ehrenmann, der nun in schöne Thaten
Die höchste Würde setzt und ihre Lust erfährt,
Im Menschen laß uns selbst der Uebel Grund errathen:
Nicht alles außer uns ist aller Mühe werth.
Wir ängstigen uns alt an Nebenhindernissen:
Ich such seine Macht, wovon ihn Wahn erschlug,
Zum Zeitvertreibe nicht, auch nicht um mehr zu wissen;
Wir forschen immerdar und wissen so genug:
O, nein, um ruhiger auf Freude vorbereitet
Die Rätselbahn zu gehen, die bis am Tode leitet.

Die Wahrheit leuchtet dir schon in deine Wiege;
Du schätzest ihren Preis, dem nichts die Wage hält.
Der Leichtsinn ekelt dir und jede Modelüge,
Die Selbstbetrug und Tand wie seine Sitte stellt.
Dich zog dein Haus, erhöht auf golgatasche Ständer,
Durch Muster und Begriffe zur tiefen Einsicht an.
Dich, deiner Güte voll, verehren große Länder,
Verehrt, wer Ehre kennt, und jeder Unterthan.
Ich weihe dir dies Buch; das will unnütze keimen,
Das Unkraut alles Wohls, ihm aus dem Wege räumen.

Wie passen Angst zu Furcht und Segnen zu Verdammen?
Noch hat in eine Welt der Vater sie vereint.
Im Menschen tritt genauso mancherley beysammen,
Was ihm allein zur Quaal nicht ungefügt erscheint;
Vollkommner Inbegriff vom Bösen und vom Guten!
Sich einzig und nicht oft an Kraft und Schwäche gleich.
Er kränkelt an Vernunft, ist mächtig im Vermuthen,
Ist dürftig in der Lust und an Begierde reich,
Zerstört und baut sein Glück, erstrebt und haßt die Sünden,
Und kann das Leichte schwer, das Schwere leicht ergründen.

Auf seiner Erde fremd umschwärmt er Mond und Sonne;
Geblendet denkt er dann sich erst im Stolze nach.
Im Anbeginn empfängt ihn ungemeine Wonne,
Hernach, wie Kenntniß blüht, so keimt sein Ungemach.
Ach, welche Noth erheischt, sich selber zu beschleichen!
Zur Strafe dem etwa, der harte Buße tut?
Die Ruhe muß, sobald der Mensch sich kennt, entweichen:
Ein Narr erforscht sich nicht und lebe der längste gut,
Sein Schwindel übersieht durch unbeseufzte Tage
Das ihm entzogne Glück und die vorhandne Plage.

Mühselige Vernunft, mit aller Lust zu hadern,
Das ist der erste Lohn, den eigne Kenntnis hebt.
O, welche Süßigkeit durchwallt die regen Adern,
Wenn Doris treuer Mund an Canitz Lippe klebt!
Zufrieden, fürchtet euch, der Wonne nachzuspüren!
Verwirrung zeugt die Lust und Einfalt füttert sie.
Wie schnell muß Orpheus nicht Euridice verliehren?
Er wollte klar sie sehn, und klar ist Freude nie.
Auch Broks entgeht sich ganz, wenn Trauben ihn erquicken;
Er würde wahrlich sonst für Beere Schale pflücken.

Die Selbsterkenntnis mag so süß, als Galle schmecken,
So freudenreich, als je das dickste Märtrerbuch.
Man geht in Eile fort und eilt zurück im Schrecken:
Den Weisen ist sie noth, doch lange nicht genug.
Die nicht im Grunde selbst der Weistheitsquelle schöpfen,
Erhalten immer mehr Verderben, als Gewinn.
Wie macht die Muße nicht den frömmsten Lauerköpfen
Die Kenntniß ihrer selbst zur Elendskupplerin?
Der Bäurinn siehe zu! Die hat sich nie durchsonnen:
Damit vergleiche mal aus Grillen kranke Nonnen.

So hilft die Weisheit nur, die Klage fortzupflanzen,
Sie, die wie Thorheit auch und gar auf Reue fehlt.
Das Schöne, das sie weiß, ist Schönheit nur im Ganzen;
Und plagt es eben so, wie jedes Böse quält.
Wie mag, o Vater, dich der arme Freude dauern?
Dein Würmchen ist ein Wurm und meynt, er wäre Gott.
So prahlt der Papagey in reicher Leute Bauern,
Ihr Gram ist Frauenlust, ihr Eifer Kinderspott.
Wer oberflächisch denkt verlache seine Quaalen:
Der Weise tut es nicht und läßt die Schule pralen.

Wie lächerlich ist oft die Weisheit umgeschaffen?
So hat der Wahrheit Swift den Anzug nie vermacht.
Was ist am Menschen noch, was die gelehrten Affen,
In sich vernarrt, an ihr nicht alles angebracht?
Im Zeno war sie stolz, im Socrates gefällig,
Im Plato tiefgelehrt, wie gern im Pyrrho blind?
Einsiedlerʼsch im Cleanth, in Aristipp gesellig,
In Samos Weisen ernst, im Epicur gelind;
Sie kitzelt Democrit und murrt im Heracliten;
Bis endlich Diogens im Fasse sie bebrüten.

Ihr Zunftgelehrte schimpft, ihr, die vom Lichte strotzet,
Wenn in dem Staube sich der Alchemist verwacht,
Wenn er Armuth, nackt, mit einem Steine trotzet
Und, stolz auf Panacee, der Pein im Grimme lacht.
Betäubt uns Ohr und Kopf und heilet alle Mängel:
Euch zwingt der Überdruß, uns nimmt der Ekel ein.
Durch euch, ihr Schwätzer, wird der Trefflichste ein Engel
Und allerdings ein Mensch und matt im Stolze seyn.
Man setze, daß er sich mit Einsicht überschütte:
Sie fließt um ihn herum, der Gram erfüllt die Mitte.

Mein Richter, kannst du mir den Eifer übel deuten?
Mein Eifer ist gerecht und stützt auf Gründe sich.
Fürwahr! Es ist nicht Scherz, die Tugend auszubreiten;
Und stäter Widerstand wird endlich ärgerlich.
Wohin mein Ohr auch horcht, da schreit die Zauberflöte:
Gieb uns, gieb uns Gehör, so wirst du Wonne seyn;
Wie Maslach dort berauscht, wie hier die Feldtromete,
So nimmt dieß Truggeschrey nicht starke Herzen ein:
Wie die, so poltert man, die blind im Schlafe wandern:
Dann stirbt, von Lehre satt, der eine nach dem andern.

Wo lebt der seltne Mann, der seinem Wunsche rathen,
Und einen Bruder nur mit Wonne decken kann?
Nichtsdestoweniger versorgt er ganze Staaten,
Und fängt, im Kleinen schwach, das Große herrisch an:
So schildert Schaftsbury, der Plato deutscher Briten,
Der hat durch Edelmut und starke Wissenschaft
Für Tugend und Natur in einer Schlacht gestritten,
Das Ganze göttlich schön, die Theile mangelhaft;
Der Mensch, das lose Kind, dem Vater nachzuäffen,
Verlangt im Ganzen, was im Theile fehlt, zu treffen.

Der arme Sterbliche! beynahe gleich den Engeln,
Sobald er sich entschließt, die Schöpfung anzusehn.
Er kennt den Sipschaftsbaum von allen unsern Mängeln
Und fand ein Gegengift, dem keine widerstehn.
Beglückte Wissenschaft! So heilen seine Wunden:
Vortrefflich; aber nur, das alles hilft ihm nicht.
Er hat die werthe Frucht, wer hat den Arm gefunden,
Der von dem Baume sie mit tapferm Griffe bricht?
Die Schwäche liegt dabey: was läßt ihm die vermuthen?
So dürstet Plotens Sohn auch mitten in den Fluthen.

Sie winseln auch noch da, so schlau verhohlne Mängel,
Wo die Zufriedenheit uns recht entgegen lacht.
Der allerbeste steht noch immer unterm Sprengel
Der untermondschen Quaal, die sonder Ruhe wacht.
Das gibt Verstand und Glück, das Elend zu verschönern:
Allein das höchste Gut ist nur ein Widerschein.
Ergötzung, Ehre, Gold gebührt den Tagelöhnern
Und läst sie prächtig arm noch im Genusse seyn.
Wohlauf! Wenn Schwäche meynt am Himmel schon zu ragen:
Doch hängt, der Berge träumt, noch erst im Gängelwagen.

Die Dünste heißen wir im fernen Monde regnen:
Kometen sind bereits die Straßen ausgedacht;
Doch Fälle, die nur uns, und heute gar, begegnen,
Verhüllt des Vaters Hand in eine schwarze Nacht.
Auf hier erhitzter Flur und dort gefrorner Erde
Verwirrt uns bald ein Blitz und bald ein dunkler Ort.
So treibt die Vorsicht uns und Hirten ihre Herde,
Die gängelt unbesorgt und wir im Traume fort.
Die Bühnenphrase trotzt auch Galiläens Eisen:
Doch in den Banden erst, da zeige mir die Weisen.

So soll die Menschheit hier mit stätem Grame ringen,
Und findet alles Witz, nur unsre Hülfe nicht?
Im Jubel will ich dir vom Gegentheile singen,
Wenn helle Wahrheit gleich dem Selbstbetruge spricht?
Es stehn indessen noch verschiedne Tempel offen,
Wo die Bescheidenheit mit Ruhe sich vermählt.
Der soll, dem Eines fehlt, auch nicht das Andre hoffen,
Und der im Hemde gehn, dem Purpur etwa fehlt?
Vermochte Paracels nicht alles auszuheilen
Der Kranke liebt dennoch, die seine Quaal vertheilen.

Mir deckt die Rose zwar vom Harme freye Wangen,
Woran der junge Muth noch keine Sorge streicht;
Doch bin ich gierig oft die Menschheit abgegangen
So, wie der Jude schlau nach hoher Zinse schleicht,
Um erst das höchste Gut vergebens auszuspähen,
Wo den der Neid umringt, der in der Stille schreyt.
Die Stände mehrentheils, worauf wir alle schmähen
Erblicktʼ ich noch vom Ach und manchem Weh befreyt.
Du, meiner Laute Herr, befürchte kein Erröthen:
Du trauest, alles Wahns entohnigt, dem Poeten.

Wo Frucht den Acker, statt der Pfalstersteine schmücket,
Genießt ein Landmann noch die Speise kummerlos.
Die Schulter wird ihm nur, die Seele nie gedrücket;
Denn Unempfindlichkeit ist das geerbte Loos.
Von bangem Golde frey, so sieht er Reiche darben,
Indem das kleine Feld hinlänglich sich erstreckt.
Ihn führt der schwere Pflug, er erntet leichte Garben,
Da die Gewohnheit ihn, nicht Geiz und Ehre, weckt.
So fern von arger Lust, als Grillenfängereyen,
Verkennt er Ungeduld und achtet kein Erfreuen.

Es hing das liebste Bild vollkommner Quietisten,
An Unschuld Epictet, an Ruhe Seneca,
Das lang erbetne Kind an seiner Mutter Brüsten,
Die wild und sorgenvoll ihm nach dem Auge sah.
Kein drohender Verdruß umblitzte seine Morgen,
So schlich der Abend sich, so wie der Mittag ein.
Ihm war der Mutter Furcht, der Väter Harm verborgen
Und die Geschicklichkeit, sein eigner Feind zu seyn.
Der Schmerz entloh der Kunst verwegner Nachbarweiber,
Am Kinde noch ein Dieb, am Knaben oft ein Räuber.

Der Narrheit höhnt ein Narr. Behauptet bessre Sitten
Nicht ein Geschlossner oft, als der ihn sperren leiß?
Ich sehe noch den Mann, die Deutung in den Schritten,
Im Narrenhause gehn, der sich den Mogul hieß.
Er war nach Wunsche froh, weil er von jenem Fürsten
Den Vorzug überhaupt und keine Plage nahm.
Die Sehnsucht durfte nie vergebens Freude dürsten,
Da Selbstbetrug und Schein ihm gleich zu Hülfe kam.
Nur seitwärts hießen uns monarchisch edle Mienen.
Noch allzu pöbelhaft, ihn würdig zu bedienen.

Den Alten sah ich nie, bedaure du die Blinden,
Ich ab inbrünstig ihm gerechte Jauchzer ab.
Der schlummernde Verstand, die Trägheit im Empfinden
Sind seiner Ruhe Sitz und seiner Klage Grab,
Ihn lässt Zufriedenheit mit weißer Seide krönen,
Ein Kranz, der Kinder erst und endlich Alte schmückt.
Unwegsam aller Noth sind dicht verschlossne Sänen
Woran der feige Schmerz die mürben Zähne knickt.
Wie schußfrey liegt er nicht und über Furcht und Hoffen?
Vor nahem Grame taub, von fernem ungetroffen.

Am Rhein, der Aebte Fluß, entspringt aus armen Bäumen
Der anmutreiche Wein, dem Ruhe sich ergab.
Er wallt zu tief einher, nur Sorge wegzuräumen:
Und spült den Kaltsinn auch zu Wollustkeimen ab.
Zufriedne Phantasie belebt sich leere Schatten
Und meistert die Vernunft, nun ohne sie beglückt.
Der Esel liegt, der pflegt mit allem sich zu retten.
Bevor ihm übel wird, vom Schlummer unterdrückt.
Hier ist die Plage Glück, dem alles Wahre fehlet:
Und Uebel eine Lust, die mehr gefällt, als quälet.

Den Weisen traf ich an, in Kellern, Celle, Schulen?
Nein, mitten in der Welt, der Arbeit an der Hand.
Ich sah die Freundlichkeit mit seiner Miene buhlen,
Wobei bescheidner Ernst in frohem Blicke stand.
Nicht die Begierlichkeit, die Mutter aller Sünden,
Nicht Furcht, der Sünde Brut, begeiferte sein Tun.
Ich sah mit Fleiß und Zucht ihn muthig sich verbinden,
Ermüdet an der Brust der Hoffnung auszuruhn.
Anstatt auch falsche Quaal der wahren anzudichten,
Erfreuten ihn den Geist des Himmels werthe Pflichten.

Die sinds, bey denen zwar von nie besiegten Uebeln
Die Menschen auch umringt, doch minder elend ist.
Was hilft es, immerfort den Kummer auszugrübeln?
Beglückt, wer alle Noth, wie jene, nicht ermißt!
Allein wo soll man hin? Der falsche Saft der Reben
Verschafft der Freude Raum und quält hernach, wie sehr?
Uns läßt nicht unser Loos im Baurenstande leben.
Verkindischt sind wir nicht und keine Kinder mehr.
Und soll man die Vernunft aus Raserey verfluchen?
Wie wärʼ es, dächte man, die Weisheit aufzusuchen?

Sie, diese Muthige, sie füllt uns wache Stunden,
Die der Verduß erschleicht, mit guter Arbeit aus.
Affekten treten so, zur Knechschaft überwunden,
Nur selten ihr zur Last, noch oft zur Lust heraus.
Denn Müßiggänger gehen ins Hospital der Geister,
Wo wilde Leidenschaft die schlimme Krankheit ist.
Durch Reize wird der Wurm der Wünsche desto dreister,
Je minder er bemerkt verwegner um sich frißt.
Die Noth von außenher befördert innre Plagen,
Da diese jener erst die Wut entgegen tragen.

Wer aber lehrt die Kunst, Affekten zu bezwingen?
Hier fehlt es weniger an Regeln, als an Kraft.
Mühselig immerdar und bis zum Tode ringen,
Das macht so ruhig nicht, als matt und tugendhaft.
Umzäunt auch Einsamkeit: noch bleibt es arge Plage,
Verlassen und zuletzt ein Menschenfeind zu seyn.
Ist etwa nicht der Leib des Uebels Niederlage,
Die Quelle stäter Schuld, der Dünger aller Pein?
Man hat wohl ehedem noch ärger sich betrogen,
Und eigne Büberey den Teufeln angelogen.

Wenn schwüle Säfte sich in zarten Adern drängen,
Wie quält sich Liebe dann um sein geneigtes Ohr?
Gerinnt ein dickes Blut in lederharten Gängen,
So schäumt es endlich Haß und Geiz und Neid hervor.
Ein flüchtig harter Saft in fein gespannten Röhren
Entbrennt und schmelzt für Stolz auch Hohn in Würden um.
Der Alte geizt und zankt; ein Mann erschmeichelt Ehren,
Und Junge wirft ein Strom der Eitelkeit herum.
So stimmt der blinde Leib, im Kleinen heimlich Meister,
Im Großen unverstellt, den Hang der Erdengeister.

Das Schicksal, dem man schilt, enthalten unsre Stirne,
Dahinten eigentlich der Geist im Marke sitzt.
Von fünf Catoptren ziehn Gemälde zum Gehirne,
Das dann Empfindung schnell in Nerv und Seele blitzt.
So muß die Neigung sich nach Saft und Marke schicken
Und die Begriffe selbst, die Söhne vom Gefühl.
Gedanken lassen sich auf manche Weise schmücken,
Der Eindruck aber macht, daß dieser so gefiel.
Gesunde werden oft, was Kranke lockte, scheuen
Und was der Knabe haßt, den alten Mann erfreuen.

Nach Ruhe laufen wir umsonst in ferne Reiche:
Uns rennt die Neigung nach, die Hehlerinn der Pein.
Man sehe, wenn sie will, wie Wahn der Tugend gleiche:
Cartouche kann nicht Dieb in Catos Leibe seyn.
Indessen ist es leicht, die Neigung zu bekämpfen,
Wenn die Gewohnheit oft die Nerven anders stellt;
So konnte Nero selbst die größte Güte dämpfen:
Umsonst empfiehlt ihm dann der Schöpfer seine Welt.
Ihn werden dann umsonst bedrängte Blicke schrecken;
Und Hunde sieht er gern vom Christenblute lecken.

Doch ist die Neigung meist zu frühe schon verdorben:
Dem Geiste schmeichelt sie so, wie der falsche Freund.
Der Leib, der halbe Mensch, der Ordnung abgestorben,
Entsteht, und kaum; und wird der größte Menschenfeind.
Er sieht ja die Vernunft die matten Hände ringen,
Auch hört er guten Rath und trotzt im Spotte nur.
Geplagter Wüterich! Tyrannisch im Bezwingen,
Verkehrt er Schuld in Lust und Irrtum in Natur,
Bis das zum Troste Gram ihm an die Seite trete:
Den Fürsten änstigen so falsch gesinnte Räthe.

Sobald der junge Geist nunmehr im Mutterleibe
Die menschliche Gestalt sich angeloben soll,
Beschwert die Sinnlichkeit in dem geplagten Weibe
Das nimmer leere Herz, nun bis am Rande voll.
Das Creatürchen wächst durch dort entstandne Kräfte,
Wie je dem Baume selbst ein Sprößling ähnlich ist.
Was ihm die Mutter reicht, sind Evens rege Säfte,
Wobei die Lüsternheit die Salze nie vergißt.
Zur Liebe war der Mann im Rausche nur empfindlich:
Die Pflichten denkt er schwach und Kinderspiele gründlich.

Das Kind erblickt die Welt mit eingegeossnen Trieben
Für Anfangs äußre nur und künftig innre Pein,
Vergeblich sich zu fliehn, sein Glück umsosnt zu lieben,
Der Quaalen Mittelpunkt, das heißt, ein Mensch zu seyn.
Galen hat zwar so schön den Leibesbau gefunden;
Nicht Theile, nur allein der Kräfte Maaß gebricht:
Hier sind die Fehler selbst zur Harmonie verbunden,
Und ist das Ganze schwarz, so schwärzen Flecken nicht:
Das Innre des Gehirns wer kann es unterscheiden?
Das Auge blinzelt schon bei gröbern Eingeweiden.

Das feinste Gift ist Milch, die heimlich arge Lüste
Und immer um so mehr aus jeder Ader spült,
Je mehr das arme Weib durch feingesogne Brüste
Die wärmste Leidenschaft im tiefsten Marke fühlt.
Nun wächst das Übel an, das ehedem entstanden:
So schadet selbst die Huld, die gern das Beste giebt,
Als wäre für den Sohn dieß Einzige vorhanden,
Den nur die Mode haßt und eine Mutter liebt,
Als könnte Nahrung nicht ihr frey gelassne Sänen,
Mithin die Sinnlichkeit, auch an und ab gewöhnen.

Der ganze Nervenbau hat schwankende Gestalten;
Den aber nahm der Geist zu seiner Wohnung ein:
Gesetzt, er will hernach auf wahre Tugend halten,
Wie kräftig müßte sie, wo nicht ein Drama, seyn?
Denn Tugend braucht die Schnur berichtigter Gedanken,
Die stets aus Wechselsucht der Körper unterbricht.
Wie Hülfe schmeckt die Kost dem ekelhaften Kranken,
Und Ordnung ist die Lust erhitzter Sinne nicht.
Wer kann den stolzen Rath, sein Herr zu seyn, erfüllen?
An Kräften fehlt es stets und mehrentheils am Willen.

Die nur mit Hasdrubal, der Rache nachzujagen,
Beglückten ohne Recht ergrimmt zu Leibe gehn;
Der weiche Sybarit, der Freund von guten Tagen,
Der Filz, gewohnt, sein heil auf Münzen anzusehn,
Die werden eher noch den harten Tod ertragen,
Als immer der Gewalt der Triebe widerstehn.
Dergleichen Widerstand ist für gewöhnte Sänen
Ein unerträglich Joch, der Seele zu verhaßt,
Am Ende folgen meist die Schwermuth oder Thränen,
Auch wenn die späte Furcht am Sühnaltare faßt.
Nur Gott und Gott allein, nicht auch erschaffne Geister,
Ist Herrscher über sich und seiner Kräfte Meister.

Empörter Ozean! Barbarische Gefechte!
Verwüstung, die der Sturm aus hohem Dache jägt!
Cyclopischer Vesuv! Durchknallte Donnernächte!
Ihr seyd des Jammers Bild, der hier die Seele schlägt.
Nur erstlich, wenn der Tod den eisenharten Rücken
Der abgenutzten Sucht im Ernste widersetzt,
Erblickt die Seele, frey von ihres Leibes Stricken,
Den Angel, der sie wund im Traume nur ergötzt,
Eblickt nun Angst um sich die Schlangenhälse winden
Und stirbt Laocoon, wir erben ihre Sünden.

So groß dieß Uebel ist, dies schwere Geisterleiden,
Das ohne Wehmuth nie der Denkende besah,
Der jungen Marterbrut die Fersen einzuschneiden,
Wenn Anmuth sie noch säugt, sind doch noch Waffen da.
Dann aber setzt es Last, wenn mit der Jahre Menge
Durch alle Nerven schon der Irrthum Wurzel schießt,
Dann steckt die Pralerey der Schwätzer in der Enge,
Wenn sich kein innrer Krieg an ihrer Lehre schließt.
Moralen preist ihr an, ihr Träumer, um die Wette:
So rühmten Ammen einst die Gürtel von Lorette.

Bescheidenste! die nur durch Worte? nein, in Thaten,
Dem Menschen, den ihr forscht, ihm eigne Kräfte zeigt,
Ihr, Räthe der Natur, ihr könnt zur Hülfe rathen,
Je mehr das Vorurtheil geübtem Blicke weicht.
Vergebens äugelt noch ein Miethling grober Ehre
Auf eure Sklaverey, die bei dem Römer galt:
Immitelst deckt ihr oft ihn vor der Parce Scheere
Und heilt das kranke Haupt, des Undanks Aufenthalt.
Beschütze mir dieß Lob, der Liebe süße Probe
Du meines Tadels Freund und Freund von meinem Lobe.

Gebricht der schwachen Frau der Wille, wie die Kräfte
Gelassen zu bestehn und nimmer wild entbrennt;
Wozu, daß sie das Kind an ihren Busen hefte,
Das selber die Natur von ihrem Schooße trennt?
Wie schnell vermag die Milch ein Eifer zu vergiften,
Daß ein erboster Krampf das arme Kind ergreift?
Doch wird sie welche Quaal, nicht in die Länge stiften,
Wenn Sehnsucht, Furcht und Haß die Mutter überhäuft?
Der Staal am Fluge nährt und mordet an den Klingen:
Geschenke der Natur sind gut, doch mit Bedingen.

Sie selber zwar ergoß in Brüste Milch und Lieben,
Sie, die für Zwecke wirkt und irrig nie verfuhr.
So gar der erste Fall, den Moses uns beschrieben,
Veredelt ungemein die menschliche Natur.
Doch gnug, so war sie schon vor Alters abgefallen,
Und das Verdorbne kann nicht mehr das Beste seyn.
Nun spricht die Kunst, ihr Kind, und läßt die Mutter lallen,
Entdeckt im Viehe Kost und in der Traube Wein.
Den Abfall der Natur, was hilft es, ewig schildern?
Doch Aerzte sind gesandt zu heilen und zu mildern.

Sie blöken auch für uns, von Tadel freye Heerden,
Noch lange nicht, wie wir, zur Abart so vermocht.
Es ließ sie die Natur belebte Töpfe werden,
Worin sie gute Milch aus reifem Grase kocht.
Sie gehen ohne Schmerz und ohne bange Fälle,
Der Noachiden Looß, auf ihre Lust einher.
Die Seuche schleicht sich nicht in wohlbesorgte Ställe,
Von reiner Speise voll und faulem Dunste leer.
Es winkt uns die Vernunft; und lockt die Probe minder?
Exempel aber macht aus Aeltern blöde Kinder.

Dem Tranke ziehe nicht, ihm reifen viele Saamen,
Für das geliebte Kind die Mutterbrüste vor,
Die Brüste, die zuerst in volle Reife kamen,
Als Unschuld, arg bedrückt, in Reize sich verlor.
Warum ist Thiere Milch nicht gute Kinderspeise,
Da Lüsternheit und Gram so manche Frau verdirbt?
Der Dumme segne sich die väterliche Weise,
Bey dem das Neue schwer Verdienste sich erwirbt.
Die Speise muß den Leib zur Unart nicht empören
Und Weisheit uns die Wahl, der Güter Würde lehren.

Und könnte dieser Rath Geübten Schwäche scheinen?
Nur selten ist der Grund der Künste wunderbar:
Des Großen Anbeginn entstehet oft im Kleinen
Und Wissenschaft erhebt, was sonst im Staube war.
Bemühen wir uns ganz der Tugend uns zu fügen,
So muß der eigne Leib nicht stets im Wege seyn;
Ins Laster säet er das größte Misvergnügen
Und lenket die Vernunft in seine Neigung ein.
Die Seele stimmt der Leib und diesen seine Speise:
So werden Narren wild und fromme Leute weise.

Wenn so, für Zucht ernährt, die Seelen sich entfalten,
So wird der Obermacht die Tyranney beraubt,
Ihr kann die Wachsamkeit noch mehr die Stange halten
Und muntre Reinlichkeit und Ordnung überhaupt.
Geschäfte nöthigen, und keinen bloße Lehren,
Zu regen Irrungen den Köder abzuziehn.
Nichts Eitles soll den Ort, wo Knaben sind, entehren
Und schlechte Kinderey vor edlem Spiele fliehn.
Es gelte starke Kost; und hochgelehrte Köche
Verlange, wer es will, daß ihn die Zunge schwäche.

Man ahme Frankreich nach! Doch, traun! es könnte helfen,
Wenn man ein fremdes Herz in deutscher Seele trägt?
Das im Iberer schäumt und glüht in den Guelphen,
Das um die Seine hüpft und an der Temse schlägt.
Die Kunst gebührt uns nicht, französisch liebzukosen,
Um die vorhin umsonst der Römer attisch sprach.
Wer Deutschlands eigne Zucht, nicht Mine der Franzosen,
Auf deutsch entpöbeln kann, der ahmt mit Ehre nach.
Uns fiel ein Herz anheim zu römisch zum Betruge,
Im Kriege warmer Muth und Seele hinterm Pfluge.

Wenn Ordnung, Fleiß und Zucht auch, wie die Jahre, steigen
Und zwischen Trieb und Geist die Mittelwände sind,
So wird ihm nach und nach die schwere Tugend eigen,
Die nur bey Zucht und Fleiß und Ordnung Stelle findt.
Und will er äußre Lust sich, müde wo, verstatten,
So grüßt er die Natur und dankt ihr Flur und Hayn,
Wo sich Erquickungen und neue Kräfte gatten,
Und haucht da mehr an Lust, als an Begierden, ein.
Die Freude sagt es ihm, daß in der blauen Höhe
Das rechte Stammhaus noch von unserm Adel stehe.

Wer Langeweile hegt, dem kann es nie gelingen,
Nur Stunden, und wie schwer auch Tage? froh zu seyn.
Veränderung ist nur im Stande, Lust zu bringen,
Und Immereinerley versteckt in Wonne Pein.
An Lüste lediglich die Wechsel anzuheften,
Versuchte mancher Fürst und krankte sich zutodt.
Der Wechsel fördre nur die Liebe zu Geschäften,
Die freie Wahl verband und treue Pflicht geboth;
So wird ein Wall daraus, dem manche Stürme schweigen,
Den äußre Noth und Quaal nur selten übersteigen.

Ist die Begierde nicht das Kind erregter Sänen,
Das der betrogne Geist mit Vaterspflege nährt?
Was allzu heftig reizt zu Wohllust oder Thränen,
Entbehre so der Sohn, wie man ein Gift entbehrt.
Ermüdet ruht auch er an anmuthreichen Tischen,
Wo nebenan Geschmack und oben Güte sitzt,
Wo nach der Möser Art Gespräche selbst erfrischen,
Da nützlich seyn erfreut und alle Freude nützt,
Mit seinem Blute sich nicht viele Thiere mischen,
Noch die zu weiche Kost der Wein noch mehr erhitzt:
Wir müssen allzu hoch die Völlerey bezahlen,
Mit wilder Sitte wir, mit Wut die Kannibalen.

Beileibe darf er mir nur keine Leute scheuen;
Die Misanthropen nimmt zu selten Tugend ein.
Am Tande soll er gar sich oft den Muth erneuern,
Beständig froh und klug und nimmer Cato seyn.
Doch muß ein Thor allein ihn lange nie verweilen;
Die Menge macht zur Lust die Narren erst bequem.
Der Biene soll er gleich von dem zu diesem eilen;
Nur Weise sind an sich beständig angenehm.
Er macht durch Geschick und angehaltne Launen
Die kühnste Grille selbst sofort zurück erstaunen.

Wen hier der Unmut schreckt, bekenne seine Schwächen,
Wo vor entfernter Lust der nahe Gram entweicht.
Auch nützt ein Fehler hier und bessert die Gebrechen.
Der gute Vorsatz siegt und Uebung macht ihn leicht.
Die Seelenruhe labt hier öfters müde Tage,
Die Gottes Volke ganz dereinst enthülfʼte Frucht,
Boileau behaupte sie gerührt an Guillerague,
Noch hat er sie bey sich umsonst allein gesucht:
In uns und außer uns entschließt sich ihre Blüthe,
Und heischt von innen Zucht, von außen Fleiß und Güte.

Wahrhafte Skalverey verstrickt auch weise Leute;
Und Freyheit ist ein Wort von Träumern aufgebraucht.
Das endliche Geschöpf ist ewig eine Beute,
Ein Unterthan, ein Knecht von einer Obermacht.
Wer Lastern übernimmt, das Joch zurück zu werfen
Und die mit falscher Lust umwundne Kette bricht,
Dem weiß die Tugend schon Gehorsam einzuschärfen:
So, wie der Weise, wächst auch eine jede Pflicht.
Wo keine Tugend herrscht und keins von allen Lastern,
Da sollte man ins Nichts sich Fabelwege pflastern.

Was ist die Weisheit denn, die selbst um unsertwegen
Und um der Erde Wohl im Bilde schon ergötzt?
Ist sie die Wissenschaft? Ich nenne sie, Vermögen,
Das andern durch uns hilft und uns in Ruhe setzt.
Durch Mäßigung und Fleiß, die wirken schöne Thaten,
Verbessert sie den Leib, der seine Seele hebt.
Uns muß die Mäßigung, der Fleiß die Welt berathen,
Wenn die für Unschuld wacht und Tugend er erstrebt.
So lehrt die Weisheit denn, der Möncherey verborgen,
Durch Sorge für den Leib die Seele zu versorgen.

Hier feyre Saitenspiel, und ehre mir die Schranken,
Die deine Muse stach und Wahrheitsliebe schützt.
Doch allzu deutlich merkt ein Richter der Gedanken,
Wie nahe dieses Lied den Glauben unterstützt.
Das Weise doch so laut und Schriftgelehrte schreyen,
Als hätten beyde sich am Ziele je vergnügt!
Und warum findt ihr Wort das völligste Gedeihen,
Sobald der sieche Leib der Wahrheit unterliegt?
Das macht, die Welt und sie versäumen ihre Rechte,
Sind Heuchler oder schwach und ihrer Sinne Knechte.

Noch an der Quelle seicht, im Flusse tiefe Kenntniß,
Der Nebenbäche werth, kein einziger ist Scherz,
Die glauben thun für dich das löblichste Geständniß;
Du weist, dem Zanke trotz, die Zänker himmelwärts.
Was halfen ohne dich die vielen Opferkälber?
Du weisest ohne sie das Herz zum Opfer an.
Gerecht für andre seyn, und züchtig für uns selber,
Das ist der Gottesfurcht und ist auch deine Bahn.
Dieß ist die große Pflicht, die des erfahrnen Juden
Gesalbte Warnungen auf unsre Seele luden.

Paulus an Titus: Wir sollen züchtig, gerecht, gottselig leben in dieser Welt.
Bernd

Don't dream it - be it. (Dr. Frank N. Furter)

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